Sie sind so nervig!

Sie sind so nervig!

Bist du richtig genervt?

Genervte Schwiegertochter

Du stehst jetzt an einer wichtigen Schwelle: mit dem „Genervt-sein“ kann ein riesiges Schlamassel beginnen. Hier kannst du die Reißleine ziehen und Acht darauf geben, dass dir nicht geschieht, was vielen Schwiegertöchtern geschieht: unerbittlicher Kampf, der allen beteiligten die gesamte Energie raubt.
Du darfst hier aufpassen, den Überblick nicht zu verlieren, dich nicht provozieren zu lassen. Pass auf, dass du ein fremdes Spiel nicht mitspielst, in das dich eventuell jemand hineinziehen will.

Schauen wir uns das mal an:

Es ist normal, wenn sie nerven!

Wenn dich deine Schwiegereltern nerven, dann ist das ganz normal. Du weißt ja auch, dass dich deine eigenen Eltern genauso nerven können. Oder dein Partner, deine Kinder. Deine Kollegen. Und manchmal nervt man sich selbst.
Alles Mögliche kann dich nerven, vergiss nicht, dass deine Schwiegereltern erst mal fremde Menschen sind.
Fremde Menschen, fremde Sitten.
In jedem Haushalt gelten andere Regeln und andere Rituale werden gelebt. Jede Familie hat ihre eigene Art.

Nimm nicht alles persönlich.

Deine Schwiegereltern müssen nicht genauso denken wie du. Und du nicht wie sie. Auch, wenn sie das von dir möchten. Sei du stärker und besinne dich immer auf deine eigene kleine Familie. Wenn noch keine Kinder da sind, besinne dich auf deine Beziehung zu deinem Partner: denn hier könnt ihr beide eure eigenen Regeln und Rituale leben.
Du hast sicherlich nicht alles übernommen, was du seit deiner Kindheit von deinen Eltern gelernt hast. Von deiner Herkunftsfamilie hast du bestimmte Traditionen vielleicht verändert oder gar komplett beendet. Auch deine Eltern werden dir manchmal noch Ratschläge geben oder dir ins Gewissen reden wollen.
Der Unterschied ist nur, dass du hier meistens rascher abblocken kannst. Du kannst hier leichter deine Grenze ziehen und deine Eltern in Schach halten, damit sie sich nicht einmischen. Stimmt´s? Oder du hältst es aus, solange du bei ihnen zu Besuch bist, und spätestens im Auto auf der Heimfahrt denkst du dir, dass du endlich wieder deine Ruhe hast und trotzdem machst, was du für richtig hältst.

Bei den Schwiegereltern macht man das meistens nicht, denn wir Schwiegertöchter wollen ja nicht unhöflich sein und niemanden kränken. Wir wollen die Schwiegereltern nicht kritisieren, wir trauen uns nicht, unsere Grenzen sofort deutlich zu ziehen, denn kleinlich wollen wir ja auch nicht sein. Kennst du, oder?
Wenn wir auch höflich mitspielen während des Familienessens, im Auto auf der Heimfahrt denken wir dann doch darüber nach, was sie denn überhaupt von uns wollen… Denn wir wollen ja gefallen, nett sein, angenommen werden.
Schwiegertöchter wünschen sich auch, dass die Schwiegereltern automatisch einfach erkennen, was die Schwiegertöchter wollen und für gut befinden.
Aber genau daraus entsteht das Dilemma: Jede Partei erwartet im Stillen, dass der andere alles versteht, alles genau so machen würde, alles genau so für richtig hält. Davon geht jeder aus, auch du. Erwartungen werden nicht ausgesprochen, sondern im Stillen einfach nur erwartet. Von jeder Partei. Und jede Partei ist dann enttäuscht, wenn die Erwartungen nicht erfüllt werden.

Klar muss dir aber vor allem sein: Das ist die Familie deines Partners! Es sind fremde Menschen. Du kennst sie nicht, weißt überhaupt nicht, wie sie so sind. Du darfst aber schon mal davon ausgehen, dass sie anders sein werden, als du und deine Herkunftsfamilie. Erwarte erst mal gar nichts. Und lass dich auf Neues ein.

Von „Familie“ erwarten alle Harmonie!

Schwiegerkinder sprechen ihre wahren Bedürfnisse oft nicht aus, sie wollen sich einerseits anpassen und andererseits genau so angenommen werden, wie sie eben sind.
Sei dir immer bewusst, dass es einfach eine fremde Sippe ist. Und diese Rituale und Sitten dieser fremden Sippe musst du nicht zwangsläufig übernehmen. Umgekehrt aber auch!
Du und dein Partner habt eine neue eigene Sippe gegründet, nicht wahr?
Und um diese Sippe geht’s. Nur um diese. Lass dich nicht verwirren.    

Eventuell nervt dich, dass ihr immer an bestimmten Tagen zum Essen kommen sollt. Oder, dass Schwiegermutter immer telefonieren will mit dir. Oder, dass Schwiegervater eure Möbel selbst basteln will und sauer wird, wenn ihr euch wieder mal ein Möbelstück gekauft habt. Es nervt eventuell, wie Weihnachten ablaufen soll und wie Muttertag gefeiert werden soll. Es nervt eventuell, worüber beim Familientreffen gesprochen wird… Es nervt einfach ziemlich viel!

Und genau hier darf man mal fragen: Warum macht ihr das dann alles immer wieder mit?

Weil es erwartet wird? Weil sich das so gehört? Weil ihr niemanden verletzen wollt? Weil ihr das von klein auf so gelernt habt?

Ihr beide seid der Schlüssel! Ihr solltet erkennen, dass auch für euch beide eine neue Zeit begonnen hat. Ihr seid nicht mehr die kleinen Kinder, die gehorchen müssen. Ihr beide könnt entscheiden, gefestigt auftreten und euch mitteilen. Ihr beide könnt als feste Institution eine Familienfeier auch mal absagen.

Je fester ihr beide als Paar auftretet, umso eher wird das auch respektiert.

Was hilft euch, fest auftreten zu können?
Eure Besprechung! Eure Teambesprechung, eure Beziehungsbesprechung, eure Paarbesprechung, eure Ehebesprechung, nennt es, wie ihr wollt, aber sprecht miteinander!
Und zwar genau über die Situationen, die immer solche genervten Themen beinhalten.

Wie wollt ihr beide Weihnachten feiern?
Wie wollt ihr beide euer Wochenende verbringen?
Wie oft wollt ihr beide Kontakt zur Verwandtschaft haben?
Wie oft wollt ihr eure Eltern gemeinsam besuchen?
Wie wollt ihr eure Freizeit verbringen?

Das sind wichtige Fragen, habt ihr darüber schon mal gesprochen?

Meist gerät man in so einen Mitmachstrudel, weil da eine Schwiegermutter wieder mal schneller war mit einer Einladung. Dann wird halt mal schnell zugesagt, ohne sich mit dem Partner abgesprochen zu haben.
Also, erst einmal kommt ihr beide als Paar, als Team. Und hier wird besprochen und geplant und bestimmt!
Dann seid ihr stark und könnt das auch ausstrahlen und könnt überzeugt auftreten. So bekommen andere Menschen viel weniger Macht und Gelegenheit, zwischen euch einzudringen und alles durcheinanderzubringen.
Wenn ihr euch dann entschlossen habt („Gut, an diesem Treffen sind wir dabei!“), dann kannst du über bestimmte Dinge leichter hinwegsehen und bist nicht so leicht genervt. Denn: Ihr beide seid euch einig. Besprecht auch, wie lange ihr bleiben wollt. Seid dann auch zuverlässig, damit sich der Partner auf den anderen verlassen kann.

So seid ihr als Paar in Distanz zu den anderen, ihr habt nicht das Gefühl, dass ihr verwachsen seid mit den anderen da am Tisch.
Ihr seid erwachsen, herausgewachsen.

Aus meiner Erfahrung weiß ich, dass Paare dann viel eher klare Worte sagen können, wenn sie im Hintergrund um das Team Bewusstsein mit ihrem Partner wissen. Sie können dann viel eher „Stopp“ sagen, wenn die Schwiegermutter den Teller anfüllen will. Sie können viel eher „Nein“ sagen, wenn Schwiegervater sich einmischen will.

Nimm nicht alles persönlich. Bleib sachlich und höflich distanziert.

Wenn du dich in all die nervigen Dinge hineinsteigerst, entwickelt sich eine innere Abneigung. Und daraus entwickelt sich oftmals der große Streit.

Wenn du mit deinen Schwiegereltern im gleichen Haus zusammenlebst, wird das für dich eine Frage der Prioritäten. Du musst für dich herausfinden, was dir wichtig ist.  

Es ist ganz normal, dass sich Eltern bis zu einem gewissen Grad einmischen und dass sie ihre eigenen Rituale aufrechterhalten wollen. Sie wollen ihre Regeln weiterführen. Dazu gehören solche banale Dinge wie: „Die Haustür muss man tagsüber anlehnen, zu einer bestimmten Zeit aber abschließen!“, „Den Schnee schippt man immer nur nach links vom Gehweg!“, „Die Blumen am Balkon müssen immer sparsam gegossen werden, weil sonst alles runter tropft!“, „Die Mülltonne muss immer schon am Nachmittag rausgestellt werden, nie erst nachts!“, „Kleine Kinder sollen das nicht essen!“, „Schulkinder dürfen das nicht!“… Und viele solche Regeln. Die Einhaltung dieser eingespielten Regeln geben den Eltern Sicherheit, denn so haben sie es immer schon gemacht und etwas Neues bringt erst mal Unsicherheit.
Darum verhalten sie sich so und darum wollen sie noch herumerziehen, es muss alles so ablaufen, wie sie es gewohnt sind.

Hier musst du für dich deine Prioritäten aufstellen!
Ist es dir wirklich wichtig, dass du die Mülltonne dann raus stellst, wenn du es willst? Ist dir wichtiger, dass du alles selbst entscheiden kannst? Oder kannst du bei solchen Dingen gelassen sein, denn für dich sind andere Dinge wichtiger: Z.B. dieser Wohnort liegt nahe an deiner Arbeitsstelle, oder ihr habt eure Ersparnisse in eure Wohnung investiert, oder ihr habt es euch hier schön eingerichtet…?
Wäge ab, was für dich wichtig ist.

Aber pass auf!

Es ist ein Unterschied, ob sie einfach nur ihre Regeln aufrechterhalten wollen, ihre Sitten, oder ob sie dich schikanieren wollen!
Schikaniert wirst du, wenn überhaupt nichts passt, was du tust, wenn die Anschuldigungen und Forderungen in immer unwichtigere Bereiche vordringen. Wenn die kleinsten Kleinigkeiten plötzlich wichtig genommen werden, dann haben die Schwiegereltern ein anderes Problem. Das ist dann der Zeitpunkt, wo du auf dich aufpassen musst.
Komme nicht in den Bereich, wo du versuchst, alles Mögliche deiner Schwiegermutter recht zu machen. Denn ab da verlierst du dich selbst!

Ich gehe mal davon aus, dass du nicht schikaniert wirst, denn ihr könnt ja noch miteinander sprechen, sie nerven dich nur. Also lass mal fünf grade sein.
Die Bereiche, die dir aber wirklich wichtig sind, die solltest du natürlich ansprechen.

Wäge immer ab: Wie weit kannst und willst du mitgehen?
Wie weit kannst du bestimmte Regeln mitmachen?
Ab wann geht dir etwas zu weit?
Wie weit kannst und willst du Kompromisse machen?
Was ist dir denn wichtig?
Was ist für dich unwichtig?

Durch diese Fragen an dich selbst gibst du deine Entscheidungsfreiheit nicht ab! Und gerade das Gefühl, andere entscheiden über einen selbst, bringt das nächste Gefühl: Man ist genervt. Und aus „genervt“ wird bald mal Abneigung. Wenn du aber weißt, du entscheidest immer selbst, dann fühlst du dich freier und den Entscheidungen anderer nicht so ausgeliefert. So ist man auch nicht so oft genervt.

Klar sollte dir auch sein, dass du andere nicht ändern kannst.

Nur bei dir selbst kannst du immer wieder nachfragen, was dir wirklich wichtiger ist. Wenn du einen höheren Sinn findest, warum du etwas mitmachst, dann ist das in Ordnung für dich.
Z. B.: Deine Schwiegermutter will rund um das Haus die ganze Gestaltung machen, den Garten in ihrem Geschmack halten, den Blumenschmuck anpassen und die Deko-Gegenstände aussuchen. Dir gefällt das alles überhaupt nicht. Jetzt kannst du dich jeden Tag nerven lassen, wenn du das betrachtest. Keine gute Idee, denn genau so wächst deine Abneigung. Da gesellt sich dann immer noch mehr dazu, das dich nerven wird.
Besser ist es, wenn du dich dann mal ernsthaft hinterfragst, was dir denn wirklich wichtig ist. Ist dir wichtig, dass du das alles gestaltest? Ja? Dann frag weiter: Hast du auch Zeit dafür? Die Muse? Das Geld? Oder ist dir wichtiger, dein Geld für dein anderes Hobby auszugeben? Ist dir wichtig, den Nachmittag mit deinen Kindern zu verbringen statt mit Unkrautjäten? Willst du denn überhaupt den Garten machen, wenn Schwiegermama den ganzen Tag zu Hause ist und viel Zeit hat, du aber in der Arbeit bist? Könnte Schwiegermutter überhaupt verzichten und dir die Außengestaltung überlassen? Überlege einfach für dich ehrlich und rationell! Vielleicht reicht es dir dann plötzlich, dass du in deiner Wohnung deiner Gestaltung freien Raum geben kannst oder du auf eurer Terrasse deinen Stil verwirklichen kannst. Wenn das so ist, wird dich ihr Garten oder ihre Deko nicht mehr so nerven. Das tut dir gut!!! Und darum geht’s ja jetzt. Dir soll es gut gehen. Dafür sind aber nicht die anderen zuständig, sondern du allein.
Wenn dich nervt, dass Schwiegermutter einfach so stur ist und nie einen Schritt auf dich zugeht oder nie etwas an die nächste Generation freigibt, dann ist es besser, das einfach zu akzeptieren. Sie ist halt so, wie sie ist. Wenn du dich darüber aufregst, schadet es dir nur. Biete auf alle Fälle deine Vorstellungen an, teile auch mit, dass du gerne das und das übernehmen würdest. Wenn das nicht erlaubt wird, dann verzichte besser drauf. Besinne dich auf dein eigenes Reich, auf dein eigenes Revier und hinterfrage dich, was dir wichtig ist. Wenn dir wirklich so wichtig ist, dass du die Außengestaltung alleine pflegen kannst, darfst du auch überlegen, ob du vielleicht wegziehst. Aber hör auf damit, von anderen eine Veränderung zu verlangen. Mach deinen Reim immer mit dir alleine!

Grundsätzlich rate ich dir, nicht so streng zu sein. Nicht mit dir und nicht mit anderen. Lass ihnen ihre Regeln und Rituale und Meinungen, sie sind so, wie sie eben sind.
Behalte aber deine Regeln und deine Werte auch immer im Auge!
Vergiss nie deine Interessen, deine Ziele.
Sei immer ehrlich zu dir selbst.
Aber manchmal hat man falsche Ziele oder übernommene, fremde Ziele im Auge. Bekomme heraus, ob es auch wirklich deine eigenen Ziele sind.

Bei nervigen Themen kannst du immer hinterfragen, ob das denn wirklich so wichtig für dich ist, ob es wirklich so viel mit dir zu tun hat.
Bleibst du im genervten Zustand stecken, verschlimmert sich dein ungutes Gefühl. Denn irgendetwas fühlt sich nicht richtig an. Genau – dein Verhalten will ja zu deinen wahren Zielen passen.

Je mehr nervige Situationen du mitmachst, nur um zu gefallen oder die Stimmung nicht zu verderben, umso mehr tust du dir selbst weh. Achte dich.

Jeder ist für sich selbst verantwortlich! Auch du für dich! Konzentriere dich auf die Dinge, die dir wirklich wichtig sind in deinem Leben.  

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