Wut

Wut

Du bist wütend?

Wut und Kampf

Okay, ist in Ordnung!

Vielleicht bist du es gewohnt, solche negativen Gefühle wie Wut nicht zu zeigen.
Aber was macht die Wut, wenn du sie nicht zulässt – vergeht sie einfach, wenn du ihr keine Aufmerksamkeit mehr widmest?

Vielleicht hast du das Gefühl, dass sie einfach so vergehen kann, aber meist hinterlässt unterdrückte Wut eine Spur in dir.

Die Wut ist ja erst mal eine Emotion. Eine ziemlich deutliche Emotion. Hinter dieser Emotion liegen deine wahren Gefühle. Und um die geht´s. Wut kann immer für dich nützlich sein. Du lernst viel über dich selbst, wenn du deine Wut richtig betrachtest.
Aber bevor du deine Wut betrachten oder hinterfragen kannst, will sie ja erst mal da sein dürfen. Wut will sichtbar sein. Wut will vielleicht auch mal laut sein.

Wenn du deine Wut unterdrückst, lernst du nichts von ihr.
Wenn du deine Wut einfach zügellos randalieren lässt, lernst du auch nichts von ihr. Bei beiden Varianten schadest du dir selbst. Und anderen eventuell auch.
Wenn du aber durch sie hindurchgehst und mit ihr einen vernünftigen Ausklang findest, kann sie dir helfen, deine Grenzen zu erkennen.

Wut kommt nämlich immer dann zu dir, wenn deine Grenzen verletzt wurden.

Auch wenn du deine Grenzen nicht kennst, dein Inneres kennt die Grenzen genau!

Die Wut hilft in deinem Inneren, dich wachzurütteln: „Hey, pass auf, da überschreitet jemand unsere Grenze!“

Wie kannst du dich nun verhalten, wenn dich die Wut mal so richtig packt, z. B. weil da jemand etwas über deinen Kopf hinweg entschieden hat, wovon du aber sehr wohl direkt betroffen bist?

Am besten für dich selbst wäre es, deine Wut einfach genauso rauszulassen, wie sie gerade auftaucht bei dir. Natürlich solltest du niemanden angreifen, niemanden – auch dich selbst nicht – verletzen, keine Gegenstände zerbrechen, das ist alles kontraproduktiv. Aber du darfst Schimpfwörter benutzen, du darfst richtig aussprechen, was da jetzt so falsch gelaufen ist, was du denkst darüber, wie du das findest, was du davon hältst. Lass es raus sprudeln aus dir.
Eine Frau hat mir mal berichtet, das sie nach einem heftigen Streit mit der Schwiegermutter daheim in ihrer Wohnung alle Schimpfwörter, die ihr gerade in den Sinn kamen, laut ausgeschrien hat. Es hat ihr richtig gutgetan, sie hat sogar noch welche erfunden, weil ihre Wut kein bekanntes Wort annähernd passend fand. Sie schrie und benannte ihre Schwiegermutter mit den übelsten Ausdrücken – ganz allein in ihrer Wohnung. Das tat ihr wirklich gut. Denn sie hatte niemals in ihrem Leben jemanden beschimpft. Sie hatte sich angewöhnt, sich anzupassen, an sich selbst herumzufeilen, wenn etwas gegen ihren Willen geschah. Mit diesem Schimpf Ausbruch hat sie sich selbst erlaubt, dass da einfach auch mal ein Mensch absolut daneben sein kann. Es war wie eine Befreiung für sie, denn jetzt durften auch mal andere schlecht sein. Mit diesen Schimpfwörtern stellte sie klar, dass falsch ist, wie sich Schwiegermutter da verhält. Denn sie war aufgewachsen mit der Überzeugung, dass andere immer recht haben und immer alles richtig machen – und bei sich selbst muss man den Fehler suchen.
Sie passte ihre Grenzen also immer an. Das ist nicht gesund.
Je öfter wir unsere Grenzen anpassen oder verletzen lassen, weil wir nur ja nicht streiten wollen oder uns nicht behaupten können, umso mehr zwängen wir uns selbst in eine Schablone. Wir verlieren dadurch unsere Individualität.
Meist geschieht das auch, weil wir unsere eigenen Grenzen nicht wirklich kennen. Und genau dafür kommt die Wut zu uns!!!

Die Wut will ja genau, dass wir unsere Grenzen kennen und bewahren!

Dafür kommt sie zu uns. Wenn Wut zu dir kommt, bist du lebendig, nicht abgestumpft, nicht deprimiert! Wut macht dich lebendig! Wir sollten die Wut dankbar annehmen, denn sie reinigt uns, zeigt uns, was wieder einmal mit uns geschehen ist, was wir mit uns machen lassen, und sie zeigt uns, was uns denn eigentlich wichtig ist im Leben!

Darum plädiere ich dafür, die Wut zu achten. Dazu gehört für mich, sie rauszulassen. Sie zu fühlen, sich ihr zu ergeben. Nicht zu lange und zu intensiv – also nicht noch extra die Wut verschärfen. Oft reicht es eben schon, die Dinge laut auszusprechen und mit Wörtern die Wut rauszulassen. Diese Frau, die sich mit den Schimpfwörtern über ihre Schwiegermutter befreit hatte, hat in Wahrheit niemanden angegriffen. Sie hat aber für sich selbst zugelassen, dass sie die Dinge mal beim Namen nennt.

Andere Frauen berichteten mir, dass sie der Person, über die sie gerade wütend sind, einen Brief schreiben, den sie nie überreichen oder abschicken. In diesem Brief schreiben sie ihre wütenden Gedanken auf, was sie von dieser Person halten, was sie über sie denken.

Das reinigt! Das trennt den Müll von deinen wichtigen und ethischen Wahrheiten. Diese werden dann wieder klar und deutlich für dich zu sehen sein.
Deine ethischen Wahrheiten sind deine Grenzen. Es ist schön, wenn sie wieder sichtbar werden, wenn du sie wieder nennen kannst, erkennen kannst.
Sie machen dich aus, sie sind deine Persönlichkeit.

Nach der Wutattacke ist es nützlich, wenn du dich hinterfragst, was dir denn hier so wehgetan hat: Was genau tut dir weh? Das gelingt am besten immer, wenn du mitschreibst. So kannst du erkennen, wo deine Grenzen sind, deine ethischen Grenzen. Und je mehr du erkennst, dass hier ein Mensch diese Grenzen immer wieder verletzt, umso besser kannst du dich in Zukunft dafür einsetzen, dass diese Grenzen nicht mehr verletzt werden.

Es ist ein Lernprozess, seine Wut anzunehmen und von ihr zu lernen. Es wird immer leichter, dich mithilfe der Wut selbst zu erkennen. Sie hilft dir, dass du dich schützt, bewahrst und positionierst! Du stellst dich auf deine Seite!

Wenn du also deine Schmerzen kennst, geht es ja noch weiter, denn du darfst dich danach umsehen, was das Negative denn ersetzen kann. Das Schmerzliche, das Negative kennst du nun, du weißt, was dir wehtut, dann ist es hilfreich, wenn du dich hinterfragst, wie es denn sein sollte für dich.
Wie sollte es sein in deinem Leben?
Wie sollte man sich verhalten?
Wie sollte man miteinander umgehen?
Willst du mit Menschen zu tun haben, die sich immer anders verhalten?
Wie sollten die Menschen sein, mit denen zu deine Zeit verbringen willst?
Was tut dir gut?
Was bestärkt deine inneren Werte?
Welche Menschen tun dir gut?

So kommst du dir immer näher! Du stellst dich wieder auf!

Keine Angst vor deiner Wut. Sie ist nur schädlich, wenn du gegen sie arbeitest.
Arbeite mit ihr zusammen, aber bestimme du, wie sehr sie dich mitreißen kann.
Du bist der Chef!   

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