„Die Schwiegertochter nimmt mir den Sohn weg!“

„Die Schwiegertochter nimmt mir den Sohn weg!“

Liebe Schwiegermutter, kennst du das? Du hattest immer ein gutes Verhältnis zu deinem Sohn und alles war friedlich und wie immer. Seit die Schwiegertochter da ist, hat dein Sohn keine Zeit mehr für seine Eltern. Er nimmt sich keine Zeit mehr für die Arbeiten, die er immer zuverlässig erledigt hat und er kommt nicht mal mehr, um ab und zu ein wenig zu plaudern. Einfach so mal plaudern, was es Neues gibt, wie es allen geht und welche Pläne im Raum stehen. Das fehlt dir. Du hast das Gefühl, er hat euch abgeschrieben und er kommt nur noch, wenn er etwas braucht. So soll das sein? So soll das Leben mit erwachsenen Kindern sein?
Da hast du dir schon mehr erhofft. Ein harmonisches Familienleben eben.

Und wenn wir schon mal dabei sind, was wird dann an Weihnachten sein? Was wird sein, wenn Geburtstagsfeiern anstehen? Sind du und dein Mann dann ganz alleine, weil niemand mehr kommt?

Davor graut es dir. Es ist doch wunderbar, wenn alle beisammen sind.
Aber, liebe Schwiegermutter, du kannst das ja auch von einer anderen Seite betrachten:

  1. Es ist notwendig, wenn dein Sohn gerade eine Beziehung gründet, und eine Familie gründet, dass dein Sohn dann seine Zeit einteilen muss. Er ist berufstätig und vielleicht will er auch noch ein Eigenheim bauen oder kaufen. Das bedeutet alles eine ziemliche Umwälzung in seinem Leben. Er muss sich darauf konzentrieren.
  2. Denke zurück, wie es damals bei euch war. Wie oft habt ihr eure Eltern besucht und war das immer so toll für euch? War es immer gewollt? Waren da auch Besuche dabei, die ihr abgeliefert habt, weil sonst die Stimmung im Eimer gewesen wäre? Eigentlich wolltet ihr den legendären Sonntagnachmittag anders verbringen? Denke zurück. Ist es da nicht ein besseres Gefühl für dich, wenn du weißt, der Sohn kommt zwar nicht mehr so oft, aber wenn er kommt, dann mit Freude und Sehnsucht? Stelle dir vor, dein Sohn kommt voller Freude…
  3. Selbst wenn ihr damals gerne und oft zu euren Eltern gefahren seid, es kann für deinen Sohn ganz anders sein. Am besten du fragst ihn einfach direkt, warum er so selten kommt. Hör ihm zu, vielleicht sieht er das ganz anders. Vielleicht ist es ihm noch gar nicht aufgefallen, dass er so selten kommt. Und höre dir seine Gründe an, wenn er welche hat. Respektiere sie und teile ihm mit, dass du ihn öfter sehen willst. Macht einen Kompromiss, macht euch aus, wie oft ihr euch treffen könntet. Aber es ist schon so, dass du im Hintergrund sein solltest. Du musst einsehen, dass seine Frau, seine Familie, seine Karriere jetzt im Vordergrund für deinen Sohn stehen. Es ist doch ein tolles Gefühl, wenn dein Sohn ins Leben hinausgehen kann, weil er seine Eltern im Rücken hat. Weil er durch euch gestärkt ist. Weil er Dank euch gutes Rüstzeug mit ins Leben bekommen hat. Ihr seid ein gutes Fundament für sein Leben. Aber seine Wege muss er alleine gehen und dazu braucht er auch Zeit.

Verlange nicht von ihm, dass er auf jeden Fall bei euch regelmäßig auftauchen muss. Sonst werden die Besuche Pflichtbesuche. Erpresse ihn nicht. Sei froh, dass er das Leben anpackt und vielleicht kannst du für dich oder mit deinem Partner zusammen neue Interessen finden. Neue Freizeitaktivitäten oder neue Hobbys.

Es ist auch nicht die Schuld deiner Schwiegertochter, dass dein Sohn nicht mehr so oft daheim ist. Natürlich braucht sie ihn und sie will Zeit mit ihm verbringen. Beide wollen ihr Leben gestalten. Das ist Beziehung. Es soll ihnen ja gut gehen, nicht wahr? Es ist ein ganz normaler Abnabelungsprozess. Durch den wir alle schreiten dürfen.

Hilfreich ist hier eine direkte Ansprache an deinen Sohn und seine Frau: Welche Feste dir wichtig sind, wann du wirklich ganz besonders möchtest, dass dein Sohn mit seiner Familie zu Besuch kommt. Welche besonderen Tage sind das? Teile dich mit. Wie oft willst du die Enkelkinder sehen und wie kann das vereinbart werden mit dem oft strengen Alltag der Kinder und ihrer Eltern. Abmachungen, Kompromisse, Vereinbarungen sind wunderbare Mittel, die allen helfen können. Ärgere dich nicht darüber, dass dein Sohn nicht mehr so oft für dich da ist. Freue dich, dass er sein Leben lebt und teile dich mit, dass du öfter Kontakt haben willst. Gehe Kompromisse ein.

Friede
Friede

Sprecht darüber. Nicht vorwurfsvoll, sondern offen in Richtung Zukunft!

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