Oh du fröhliche?

Oh du fröhliche?

Weihnachten naht und dir wird ganz übel: Denn dann musst du mit deinen Schwiegereltern am Tisch sitzen. Vielleicht kocht die Schwiegermutter und alle sind eingeladen. Oder will die Schwiegermutter sogar, dass ihr am 24. Dezember miteinander die Bescherung miteinander feiert?

Du kannst nicht mehr...

So viele Schwiegertöchter freuen sich nur auf eins: Dass Weihnachten so schnell wie möglich irgendwie vorbei geht.

Das ist schade, nicht wahr? Denn Weihnachten ist auch dein Fest!
Auch du sollst Freude erleben können.

Da bestimmen die Schwiegereltern, wann ihr sie besuchen sollt. Da bestimmen die Schwiegereltern, wie sie sich Weihnachten vorstellen. Und oftmals wird das gar nicht mal richtig ausgesprochen, da ist nur so eine Tradition, die noch nie von irgendjemandem in Frage gestellt wurde. Auch die Schwester deines Mannes macht mit, obwohl die schon viel älter ist, schon viel länger eine eigene Familie gegründet hat und viel weiter entfernt wohnt.

Da werden dir Traditionen und Rituale ungefragt übergestülpt und an denen solltest du dich auch noch erfreuen.
Dein Mann stellt diese Traditionen auch nicht in Frage, das hat er noch nie gemacht. War halt immer schon so und irgendwie hat das auch immer gepasst.
Und sei mal ehrlich, ihr beide, du und dein Mann, habt ihr schon mal wirklich darüber gesprochen, wie ihr beide euch euer Weihnachten vorstellt?

Weißt du eigentlich, wie du dir Weihnachten vorstellst?

Stell für dich auf, wie du dir Weihnachten vorstellst! Alle drei Tage!
Was willst du wann machen, mit wem? Worauf würdest du dich freuen? Was würde dir gefallen? Schreib es dir auf.

Wie läuft aber dein Weihnachten wahrscheinlich wirklich ab?
Schreib das ebenso auf. Alle drei Tage.
Gibt es da viele Abweichungen? Ist da vieles anders?
Dann finde heraus, was du selbst dieses Jahr ändern könntest.
Schreib auf. Was könntest du selbst ändern?
Mach dir einen Plan.

Und bevor du mit deinem Mann sprichst, werde dir darüber klar, ob und wie du mit deinen Schwiegereltern Weihnachten feiern willst.

Wenn die Erwartungen der Schwiegereltern da sind, hast du oft das Gefühl, du selbst kannst das nicht ändern und bist gezwungen, einfach still mitzumachen, weil du sonst wieder der große Spielverderber bist. Also bleibt dir nichts anderes übrig, als das über dich ergehen zu lassen, wie alle Jahre …

STOPP!
Frage dich: Was willst du nicht mehr? Willst du am Tisch sitzen mit Ihnen? Willst du die Bescherung mit ihnen feiern? Willst du sie besuchen? Willst du die Geschenke besorgen für die Herkunftsfamilie deines Mannes und er überreicht sie dann? Willst du für alle kochen? Willst du ihre Tradition annehmen? Willst du dich verplanen lassen? Was willst du nicht mehr …? Welche Kompromisse bist du bereit, einzugehen?

Das sind deine Fragen. Und darum ist wichtig, dass du dir das wirklich alles aufschreibst. Mache zwei Spalten:

Erste Spalte
So wünsche ich mir Weihnachten (alle drei Tage)
Zweite Spalte
So läuft Weihnachten ab, wenn andere entscheiden

Dann betrachte deine Spalten und such heraus, was dir besonders wichtig ist. Was willst du auf keinen Fall mehr haben? Und was willst du dieses Jahr wirklich ändern?
Achte auf deine Gefühle. Denn somit bekommst du leicht heraus, ob es nur um dein Ego geht, oder um deine wahren Bedürfnisse. Denn es könnte sein, dass du der Schwiegermutter nur eins auswischen möchtest, weil sie das ganze Jahr so böse ist zu dir. Dann hast du aber ein anderes Gefühl, als wenn du im Halsbereich oder im Brustbereich spürst, dass dir zu Weihnachten so wichtig ist, es daheim im engsten Familienkreis zu feiern. Das tut weh, das fühlt sich anders an, hier wird deine Freude unterdrückt und das schmerzt. Achte auf deine Gefühle. Denn es geht nicht um Rache oder Machtkampf, es geht um deine Freude. Um deine wahre Freude in dir drinnen. Entscheide also immer für deine Freude. Wie willst du Weihnachten feiern und worum geht es dir an Weihnachten? Was ist wertvoll für dich? Was ist liebevoll für dich?
Gib dir ehrliche Antworten.

Jetzt kannst du deinem Mann die gleichen Fragen stellen. Auch er sollte für sich die gleichen Fragen klären. Lass nicht locker, Männer wollen das oftmals nicht so ernst nehmen. Sag ihm, wie wichtig dir das Thema ist und dass du ihn kennenlernen möchtest in diesem Thema. Denn, wenn seine Mama ihm vorjammert wegen Weihnachten, nimmt er dieses Thema ja auch plötzlich ernst… Also bleib dran und macht es euch mal gemütlich und geht diese Fragen durch. Kommt euch näher, lernt euch kennen.
Und dann beginnt, EUER Weihnachten zu planen.
Macht euch einen Plan, berücksichtigt zuerst eure Bedürfnisse. Dann sind da noch deine Eltern und seine Eltern. Wollt ihr sie treffen? Wann, wie lange? Legt das fest. Oder fährt jeder allein zu seinen Eltern? Oder wie wollt ihr es machen? Tüftelt für euch aus, was ihr für euch für richtig haltet.

Geht es dann wieder darum, dass andere vielleicht beleidigt sein könnten? Geht es dann wieder darum, dass andere enttäuscht sein könnten? Wenn ihr euch ertappt, dass ihr wieder in dieses Denken abschweift, holt euch zurück und seht darauf, was ihr doch aufgestellt habt für euch. Denn darum geht es ja jetzt.

Ihr seid erwachsen. Ihr habt eine eigene Familie.
Und auch eure Familie darf eigene Rituale einführen.
Habt ihr bisher nur diese Rituale gehabt, die euch andere übergestülpt haben?
Welches Ritual wollt ihr beide an Weihnachten haben?
Bedenkt auch Ruhezeiten, denn es soll ja auch kein Stress werden. Hört in euch hinein.

Wenn ihr das ehrlich macht, ist schon Weihnachten in euch!
Denn ihr achtet euch selbst, ihr schützt euch selbst.
Das ist schon ein kleines Weihnachten!

Hör auf deine Gefühle, hast du noch Angst, wenn dein Mann unbedingt will, dass ihr dann am 25. Dezember wenigstens beim Mittagessen bei seinen Eltern seid, wenn ihr schon durchboxen wollt, dass ihr am 24. Dezember alleine feiern wollt? Wie fühlt sich das an? Kannst du das machen? Ist dir der 24. so viel wert, dass du das Essen am 25. dafür hinnehmen willst?
Wenn dir alles zuwider ist, wenn du am liebsten alles ändern würdest, du dich aber noch nicht traust, dann beginne dieses Jahr erst mal nur mit einer Änderung. Vielleicht schaffst du nächstes Jahr eine zweite Änderung dazu… Zwinge dich nicht, setz dich nicht unter Druck.

Wenn ihr beide den Eltern mitteilt, dass ihr dieses Mal etwas anders macht, hat das Kraft. Sprecht von euch beiden, dass ihr beide das wollt und dass ihr beide das so besprochen habt. Das ist euer Plan, euer Vorgehen, euer Wunsch. Damit signalisiert ihr, dass ihr ein Paar seid. Ein erwachsenes Paar und eben kein „kleiner“ Junge mit seiner Freundin. Ihr seid ein erwachsenes Paar! Tretet auf als Paar.
Auch wenn du allein deiner Schwiegermutter sagst, dass dieses Jahr etwas anders wird, sprich von dir und deinem Mann. Sag: Wir! 
Wir haben beschlossen, wir haben uns dazu entschieden, wir haben darüber gesprochen. Das hat Kraft.

Liebespaar

Sei mutig. Es ist kein schönes Weihnachten, wenn du alles einfach mitmachst, obwohl du am Tisch wieder verachtend angesprochen wirst. Es ist kein schönes Fest, wenn du dich nicht wohlfühlst. Es ist dein Fest. Gestalte es also so, dass du dich wohlfühlst.  

Höre in dich hinein. Wie willst du Weihnachten feiern? Wie will dein Mann Weihnachten feiern? Worum geht es euch? Wer ist wichtig? Seid ihr noch die kleinen Kinder, die immer funktionieren müssen, weil sonst alle beleidigt sind? Kommt euch auf die Spur.
Und dann setzt es durch. Das erste Mal. Ihr beide.

Dazu gehört aber dann auch, dass ihr kein schlechtes Gewissen habt, wenn ihr allein euren Plan durchzieht. Genießt es, ohne Reue, ohne schlechtem Gefühl. Ihr seid keine schlechten Menschen. Seht es als Versuch, als Ausprobieren, als Einstehen für euch!
Ihr seid für euch verantwortlich. Und die anderen sind auch für sich selbst verantwortlich.
Frag dich ehrlich, ob du dir deine Wünsche erfüllen könntest, ohne dann ein schlechtes Gewissen zu haben. Könntest du deine Schwiegereltern ausladen und dann kein schlechtes Gewissen haben?
Fühle hinein in diese Vorstellung, stelle es dir vor und dann entscheide dich.
Sei ehrlich zu dir. Wenn du dann plötzlich doch nichts mehr ändern willst, weil dich die Angst vor ihrer Reaktion zu sehr quält, dann bist du noch viel zu nah an den anderen und viel zu weit weg von dir selbst. Es fordert vielleicht sehr viel Mut von dir. Gerade auch dann, wenn in der Familie deines Mannes alle einig darüber sind, dass Weihnachten alle zusammen sein müssen. Du bist dann die Erste und die Einzige, die jetzt etwas verändert. Das macht dich natürlich angreifbar. Somit muss dir klar sein, was dir wichtiger ist. Wähle aus: Dein Weihnachten durchboxen und dann aber damit klarkommen, wenn sie dich angreifen, schlecht über dich reden, enttäuscht sind, Opfer spielen, dir wieder mal die Schuld geben. Das musst du dann aushalten können. Oder kannst du das nicht und dafür entscheidest du dich dann, Weihnachten in ihrem Sinne zu feiern? Kläre für dich! Sei ehrlich zu dir! Was ist dir wichtiger? Worum geht es dir?
Kläre es in dir und zeig dich deinem Mann. Zeig auch deinem Mann, wenn du Angst vor ihren Reaktionen hast.
Wenn du wirklich Angst vor ihren Reaktionen hast, dann spiele die möglichen Reaktionen für dich durch. Lass alles vor dir abspielen, wer wie reagieren könnte und was dann wäre und wie du dann selbst agieren könntest. Damit zeigst du dir im Inneren, dass du klarkommst mit allen möglichen Reaktionen von ihnen. Du machst dich gewissermaßen gefasst auf mögliche unerwünschte Reaktionen, du bereitest dich vor. Das nimmt dir Angst und macht dich stärker.
Dein Weihnachten ist dir wichtig? Du willst endlich Weihnachten so feiern, wie du es dir wünschst? Das wäre dein größter Weihnachtswunsch? Erfülle ihn dir. Mach ihn wahr, diesen Wunsch.
Sag deinem Mann, was du dir wirklich wünschst zu Weihnachten. Sag deinen Schwiegereltern, wie ihr heuer Weihnachten feiern wollt. Und für die beiden anderen Festtage kannst du dann ja mehr oder weniger kompromissbereit sein, damit alle anderen auch was von euch haben. Aber du bist nicht zuständig für das Glück der anderen.    

Kann auch sein, dass du nur deswegen Angst davor hast, ihnen zu sagen, dass ihr dieses Jahr etwas anders machen wollt, weil du einfach nicht gewohnt bist, deine eigene Meinung zu sagen oder deine Wünsche zu vertreten. Mache es das erste Mal, beim zweiten Mal wird es schon leichter, es wird dir guttun.

Dazu kann dir helfen, dass du noch einen kleinen Kompromiss machst: Berücksichtige, dass die Mama von deinem Mann unbedingt die Familie zusammenhaben will. Aber das geht eben auch an einem anderen Tag, zu einem anderen Zeitpunkt. Und das geht auch mit dem Sohn alleine, wenn du nicht dabei sein willst. Das ist auch ein Lernprozess für die anderen. Sie müssen lernen, damit klarzukommen, was ihr entscheidet und ihr müsst lernen, für eure Entscheidungen einzustehen.
Wenn sie euch lieben, respektieren sie eure Entscheidung.
Wenn sie euch brauchen für ihre eigenen Ängste, dann werden sie es verurteilen.
Aber das kannst du dann bei ihnen lassen.
Trenne das von dir, es ist ihr Problem und ihre Sache, wie sie damit umzugehen lernen.
Aber es kann nicht hundert Jahre nur so ablaufen, wie andere es haben wollen.
Es ist dein Leben. Es ist jetzt. Nicht in 10 Jahren. Jetzt.
Gestalte mit Liebe zu dir selbst dein Leben. Entscheide aus Liebe, handle aus Liebe, spreche mit Liebe und betrachte mit Liebe.
Und vergiss nicht, dass du zuallererst dich selbst lieben lernen solltest, das beginnt damit, dass du achtest, was dir wichtig ist. Und auch das, was deinem Partner wichtig ist.
Bleib in der Liebe und in der Wahrheit. Denn genau das ist Weihnachten.


Auch das ist eine Vorbereitung auf Weihnachten:
Sich selbst sehen, sich selbst achten, sich selbst lieben.
Das heißt noch lange nicht, dass man andere nicht liebt!
Je mehr du auf dich achtest, umso mehr kannst du auch auf andere liebevoll zugehen. Wenn du aber dein Weihnachten immer wieder von anderen abhängig machst, achtest du dich nicht.

Ich wünsche dir von ganzem Herzen eine frohe Vorweihnachtszeit!
Viel Mut, Kraft und vor allem viel Liebe! Entscheide aus Liebe, handle liebevoll, denke in Liebe und sprich voller Liebe – dann hast du Weihnachten schon in dir.

Herzlichst
Ingrid Rott

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