„Hau doch mal auf den Tisch!“

„Hau doch mal auf den Tisch!“

Wut und Kampf

Liebe Schwiegertochter, bestimmt hast du diesen Tipp schon mal gehört. Von deiner besten Freundin vielleicht, von Kollegen, von Menschen, denen du öfter dein Leid geklagt hast. Das Leid mit den Schwiegereltern. Aber alle anderen haben so wirklich überhaupt keine Ahnung, wie es in dir aussieht. Alle anderen haben überhaupt keinen blassen Schimmer davon, wie das daheim abläuft. Jeder bekommt das aus einer neutralen Sicht mit. Und viele sehen das Problem auch gar nicht. Anderen wird es vielleicht zu viel, weil du ihnen schon seit Jahren das Gleiche erzählst, weil sich scheinbar nichts ändert und sie dir beim Leiden zuschauen sollen. Dann kommt einfach der Satz: „Hau doch mal auf den Tisch daheim! Du musst mal dein Revier abstecken! Du musst denen mal sagen, wo’s langgeht!“ Und damit fühlst du dich wieder allein, kraftlos und machtlos.

Denn du weißt genau, warum du nicht auf den Tisch haust daheim.
– Weil du dich nicht traust, weil niemand hinter dir steht!
– Weil dann erst recht wieder alles verrückter wird!
– Weil du meinst, kein Recht dazu zu haben, weil daheim die Eigentümersache nicht geregelt ist!
– Weil du weißt, dass es eh keinen Sinn hat!
– Weil du weißt, dass sie nur auf so eine Handlung warten, um dir dann erst recht einen Strick daraus zu drehen!

Seien wir mal ehrlich: Wenn man einfach auf den Tisch hauen kann, damit sich alles wieder neu ausrichten und orientieren und beruhigen kann, dann hat man ja schon eine gesunde Rolle in der Familie. Wenn z.B. die Eigentümersache richtig geregelt wurde, wenn du und ein Mann also das Haus jetzt besitzt oder den Hof oder die Firma: dann müsst ihr sogar manchmal streng auftreten, sonst gehen Entscheidungen eventuell an euch vorbei.
Wenn dein Mann komplett hinter dir steht und das auch deutlich zeigt, kannst du stark auftreten, denn dann seid ihr euch in der Regel einig darüber, wie und was ihr wollt.

Aber wenn du allein bist, weil dein Mann zwar zu dir steht, aber das nie deutlich und öffentlich zeigt, wenn du zwar Geld in das Haus gesteckt hast, aber das Haus trotzdem noch den Schwiegereltern gehört, wenn die gesamte Familie davon überzeugt ist, dass du ein Feind bist – was nützt dir da, auf den Tisch zu hauen? Gar nichts. Du weißt es.

Jeder Mensch, der Schwiegertöchtern rät, dass sie daheim mal auf den Tisch hauen sollen, hat nie die Schwiegertöchter kennengelernt, die in tieferen Problemen festsitzen mit den Schwiegereltern. Natürlich geht es immer um Revierkampf, um Grenzen ziehen und um Selbstbehauptung. Immer. Aber das ist leichter und direkter zu klären, wenn eben die Beziehung nicht so tief verletzt wurde. Mit dem „auf den Tisch hauen“ kann man eine aus den Fugen geratene Rangfolge vielleicht wieder mal richtig aufstellen. Mal wieder aufräumen und für Ordnung sorgen, wenn mal wieder in einem sonst leichteren Verhältnis etwas durcheinander gekommen ist.

Bei vielen Familien geht es aber gar nicht mehr um die Rangfolge, also darum, wer was zu sagen hat, wer bestimmen darf, sondern um tiefe, ehrwürdige Verletzungen.   

Wer daheim noch auf den Tisch hauen kann,
dem wurde nie wirklich seine Würde genommen,
der hatte nie die Position des Familienfeindes inne.

Vielen Schwiegertöchtern wurde aber ihre Würde abgesprochen, viele Schwiegertöchter wurden als Familienfeind deklariert, viele Schwiegertöchter wurden als dumm und unfähig hingestellt. Vielen Schwiegertöchtern wurde von Anfang an das Wort und jegliches Recht vorenthalten. Wie kann so jemand auf den Tisch hauen? Wie soll das fruchten? Das kann nichts bringen. Du weißt es.
Schnell heißt es da: Was hast du hier überhaupt zu sagen? Wer bist du denn schon? Was glaubst du eigentlich, wen du vor dir hast? …

Geht es um Macht und Besitz?

Im fogenden zweiten E-book gehe ich genauer darauf ein, wie es mit den Eigentümerrechten aussieht. Und wieviel ihr euch gefallen lassen müsst oder nicht.
Jetzt gilt für dich: In deiner Wohnung, in deinem Haus darfst du bestimmen, was gesagt und gemacht wird. Und auch wenn du im Haus deiner Schwiegereltern wohnst, darf dich niemand unter deiner Würde behandeln. Hier geht es sehr intensiv um die ausstehende Klärung, ob ihr die Nachfolger, die Erben seid oder werdet und wie weit ihr das Hinhalten oder die Erpressungen noch mitmacht. Es geht darum, dass endlich die Rangfolge geklärt wird. Jeder, der in dieser Situation steckt, versteht das jetzt genau. In deiner Wohnung also darfst du auf den Tisch hauen. Wenn du bei den Schwiegereltern in ihrer Wohnung auf den Tisch hauen willst, wird dir das meist zum Verhängnis, denn dann holen die Schwiegereltern auch die anderen Familienmitglieder zusammen und alle bekämpfen dich. Besprich immer mit deinem Mann, worum es euch geht, was ihr wie haben wollt. Und dann tretet beide als starkes Paar auf. Wollt ihr Nachfolger werden, wenn ihr ständig hingehalten werdet oder sie euch dauernd Steine in den Weg legen? Sprecht das durch!

Geht es um die alltäglichen Themen?

Wenn es bei euch aber um „einfachere“ Themen geht wie Kindererziehung, Müll sortieren, Einfahrt kehren oder solche Dinge, dann darfst du auf den Tisch hauen. Überlege, was für dich in Ordnung ist, was kannst du annehmen von ihren Tipps und was nicht. Mach das ganz sachlich. Und übe dich in Miteinander. Wenn du schikaniert wirst und es nur ihre Regeln gibt, dann wehre dich. Und dann kannst du auch mal auf den Tisch hauen. Wenn es für dich geht. Denn du selbst weißt am besten, ob das in deiner Situation auch hilfreich wäre. Hast du Angst vor Konsequenzen? Geh sie durch und überleg dir immer, worum es dir geht. Was ist wichtiger für dich? Was hat oberste Priorität? Wenn du etwas überhaupt nicht mit ihnen vereinbaren kannst, dann mach dein eigenes Ding. Distanziere dich, das müssen sie dann schlucken.

Also ärgere dich nicht, wenn dir wieder einmal jemand sagt, dass du daheim gehörig auf den Putz hauen sollst. Sie verstehen es einfach nicht. Sie waren noch nie in einer ähnlichen Situation. Wer sich traut, auf den Putz zu hauen, der tut es sowieso und braucht den Rat nicht. Und sei mal ehrlich, wie oft hast du zu deinem Mann schon einmal gesagt, er soll bei seinen Eltern mal auf den Putz hauen? Hat er es gemacht? Nein? Und wenn doch, hat es was gebracht? Auf den Putz hauen folgert oft eine Entweder-Oder Entscheidung. Und dazu muß man erst einmal bereit sein und für sich wissen, was man wirklich will. Wenn man das noch nicht weiß, sondern immer nur hofft oder voraussetzt, ist man noch weit von den eigenen wirklichen Prioritäten entfernt. Hier wäre der erste Schritt, erst bei sich selbst einmal auf den Tisch zu hauen. Das kann man tun, wenn man für sich geklärt hat, was man nicht mehr will und was man denn wirklich will.

Setz dich nicht unter Druck. Mach dich auf die Suche nach dir. Mach dich auf die Suche nach deinen wahren Bedürfnissen. Lerne, wie du mit dir umgehen kannst, lerne, worum es dir wirklich geht und welche Werte du hast. 

Dazu empfehle ich dir das erste E-Book „the last wagon“, darin erfährst du schon erste Schritte, wie du dir selbst immer mehr auf die Spur kommst. Dann kannst du auch leichter Abstand halten von den Menschen, die dir weh tun.

Hau auf den Tisch – bei dir selbst! Sag zu dir: Jetzt ist aber Schluss! Mit mir nicht mehr!
Bestimme das für dich! Und dann beginne mit ersten neuen Verhaltensmustern. Mach einfach nicht mehr mit!
Lerne, für dich Gutes zu tun!

Herzlichst
Ingrid Rott

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